Betteln und Hausieren (1794)

Aus Wien-Tourist.info

An Sonn- und Feyertägn wimmelt´s in allen Garten und Bier- und Weinhäuseln. In allen Löchern stecken Musikanten, die den Leuten eins vorgeigen, und sogar an Werktägen müssen s´ihnen Musik aufmachen, damit s´nur ihr Geld anbringen können. Sogar in Wirtshäusern schmeckt ihnen s´Bratl nicht, wenn s´kein Tafelmusik dabey habn.

Da kommt ein Einaugigter, und drauf ein Blinder, und gleich wieder ein Bucklichter, und das sind lauter Virtuosen auf der Harpfen, und G´sichter schneiden´s beym singen, wie ein Bsessner. Drauf kommt ein Herr, der blast ein Fakot auf ein Haslingerstecken, und der giebt d´Thür ein andern Herrn in d´Hand, der ein türkische Musik macht, dass dem Herrn Vetter s´Hören und s´Sehn vergeht, und diese Herrn löst ein wälische Dam ab, die hat ein Hackbretl, und schlagt ein Triller, trotz der Frau Mamm ihrer schwarzen Katz. Und so kann der Herr Vetter sein ganz´s Mittagsmahl nach´m Takt essen.

Wenn s´mit der Musik fertig sind, so gehn s´mit einem Teller herum, und da muss man ihnen wenigstens einen Kreuzer gebn, wenn man kein finsters G´sicht sehn, oder kein Grobheit hörn will. Mich hat halt d´Tafelmusik just noch einmahl so viel g´kost, als meine Zeche.


(Richter, Eipeldauerbriefe, 1794)



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